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Joan's Forum

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und wurde 374 mal aufgerufen
 Erleuchtung
joan Offline

Moderation


Beiträge: 574

17.07.2010 14:53
Der Ochse oder das, was übrig bleibt antworten

eine altbekannte Zen-Geschichte:

1 Die Suche nach dem Ochsen

Auf der Weide dieser Welt
teile ich endlos das hohe Gras
auf der Suche nach dem Ochsen.
Ich folge namenlosen Flüssen,
verliere mich auf verschlungenen
Pfaden ferner Berge;
meine Kräfte gehen zu Ende
und meine Energie ist erschöpft;
ich kann den Ochsen nicht finden.
Ich höre nur die Zikaden zirpen
im nächtlichen Wald.

2 Das Entdecken der Fußstapfen

Am Flußufer, unter den Bäumen,
entdecke ich die Fußstapfen!
Sogar unter dem duftenden Gras
sehe ich seine Spuren.
Tief in entlegenen Bergen
sind sie zu finden.
Diese Fährte kann nicht besser versteckt sein
als die eigene Nase,
wenn man gen Himmel schaut.

3 Das Wahrnehmen des Ochsen

Ich höre den Gesang,
der Nachtigall.
Die Sonne ist warm,
der Wind ist mild;
die Weiden am Ufer
sind grün.
Hier kann sich kein
Ochse verstecken!
Welcher Künstler
vermag dieses schwere Haupt,
diese herrlichen Hörner
zu malen?

4 Das Einfangen des Ochsen

Ich bezwinge ihn
in einem schrecklichen
Kampf.
Sein großer Wille
und seine Kraft
sind unerschöpflich.
Er stürmt
auf das hohe Plateau
weit über den Wolkennebeln,
oder er steht
in einer unzugänglichen
Schlucht.

5 Das Zähmen des Ochsen

Peitsche und Strick sind nötig,
sonst läuft er weg,
eine staubige Straße hinab.
Ist er gut erzogen,
so wird er
auf ganz natürliche Weise
sanft.
Und dann gehorcht er
seinem Meister
uneingeschränkt.

6 Das Heimreiten auf dem Ochsen

Ich besteige den Ochsen
und reite
langsam nach Hause zurück.
Die Stimme meiner Flöte
klingt durch den Abend.
Ich dirigiere
den endlosen Rhythmus,
indem ich mit Schlägen der Hand
die pulsierende Harmonie
abmesse.
Braucht der noch Worte,
der diesen Sinn versteht?

7 Der Ochse verschwindet

Rittlings auf dem Ochsen
erreiche ich mein Heim.
Ich bin heiter.
Es gibt keinen Ochsen mehr.
Die Dämmerung
ist hereingebrochen.
In glückseliger Ruhe
habe ich in meiner
strohgedeckten Hütte
Peitsche und Seil
zurückgelassen.

8 Ochse und Selbst verschwinden

Peitsche, Seil, Mensch und Ochse -
alle verschmelzen zu Nichts.
Dieser Himmel ist so unermeßlich,
daß keine Botschaft
ihn beflecken kann.
Wie könnte eine Schneeflocke
im wütenden Feuer bestehen?
Hier sind die Fußstapfen
der Partriarchen.

9 Das Erreichen der Quelle

Zur Quelle zurückgekehrt.
Aber die Schritte waren umsonst.
Besser wäre man blind und taub gewesen
von Anfang an.
Im wahren Heim wohnen,
unbekümmert um das Draußen -
Der Fluß strömt geruhsam,
und die Blumen sind rot.

10 In der Welt

Barfuß und mit nackter Brust
mische ich mich
unter die Menschen der Welt.
Meine Kleider
sind zerfetzt und staubbedeckt,
und ich bin immer
glückselig.
Ich brauche keine Magie,
um mein Leben zu verlängern;
jetzt, vor mir,
werden die toten Bäume
lebendig.

mein Kommentar:
Jeder, der sich mit dem Denken und dem "was und wie wir in der Welt sind" beschäftigt, findet sich je nach Erkenntnisfähigkeit früher oder später in der, im Gedicht beschriebenen, Situation wieder. Das ist bereits so, seit dem es den mit Intelligenz bewaffneten Menschen gibt. Der Weisheit letzter Schluß ist immer schon: Ich weiß, dass ich nichts weiß ... oder anders ausgedrückt:
Einer der seltensten Momente im Leben ist das zu sich selbst finden.

Zurückfinden in die eigene innere Ruhe - nichts sonst mehr.
Was schert mich dann noch mein hart errungenes Wissen.
Aber spiele ICH dann überhaupt noch eine Rolle?
Was bin ich eigentlich im Vergleich mit dem Kosmos?
Ich fühle mich so klein, daß zuletzt auch meine Kleinheit verschwindet.
Das ICH verschwindet und mit ihm alle Vorstellungen und Gedanken.

Nun sind alle Anstrengungen für die Katz? Welche Erleuchtung!
Hat sich das alles tatsächlich gelohnt?
All die aufgewendete Lebenszeit, die wir zur Verfolgung einer Chimäre aufwenden im irrigen Glauben, es wäre etwas zu erreichen, etwas zu gewinnen? Was ist mit: Einfach im Augenblick bleiben?
Doch plötzlich gibt etwas Antwort. Etwas verwandelt sich und wird selbst. Entsteht aus dem kleinen Ich und übersteigt es:
Zu was brauche ich all das Wissen?
Zu was ewig leben, wozu?
Selbst zu sein genügt, im Hier und Jetzt.
Nur im Hier und Jetzt sind Mensch und Ding lebendig.

Muh - mein Intellekt hat gerülpst - sorry

alles liebe
Joan

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